v. l.: Obermeister Georg Auer, Moderator Thomas Gottfried, Prof. Dr. Klaus Zierer, Dekan Stephan Rauscher, Geschäftsführer Dr. Matthias Schönberger (Foto: IEIM)

Weihnachtszeit: Elektrotechniker sprechen in der Messestadt über die Ehrfurcht vor Gott

18.12.2025

Überraschendes Thema bei der Mitgliederversammlung der Innung für Elektro-und Informationstechnik (IEIM) in der Joseph-Wild-Straße. Passend für diese stillen Tage, aber auch passend für eine eher technisch geprägte Branche? Take Off! fragte nach:

Handwerk und Heilsversprechen – wie geht das zusammen? 
Ehrfurcht vor Gott – Herzensbildung im Handwerk stand bei der Veranstaltung auf dem Programm „Ehrfurcht vor Gott wird in der bayerischen Verfassung als oberstes Bildungsziel genannt. Ich bin Jurist, von daher hat mich das von Anfang an angesprochen”, sagt Matthias H. Schönberger, Geschäftsführer der Innung für Elektro-und Informationstechnik München.
Familie, die Eltern, die Berufsschule, die Betriebe – sie alle arbeiten bei der Berufsausbildung zusammen und haben eine Vorbildfunktion für die Azubis. Die Betriebe erwarten laut Schönberger, „dass die Auszubildenden pünktlich sind und bestimmte Werte mitbekommen. Wir achten da schon drauf, wir müssen ja auch viele kirchliche Themen vermitteln.“ Das gelte nicht nur für Christen, sondern auch für Muslime. „Wir verstehen uns für jede Religion offen und dass jeder seinen Glauben leben kann.“

Kraft, Herz und Charakter

Für Professor Klaus Zierer von der Universität Augsburg kommt es auf den Handwerksmeister als Vorbild an, genauso wie auf den Lehrer. Beide brauchen für ihn Kraft, auch um die Auszubildenden zu begleiten und Herz und Charakter gut zu entwickeln.
Zierer stammt selbst aus einer Handwerksfamilie. “Das Handwerk stellt ein wesentliches Element des Menschseins dar”, sagt er im Gespräch mit Take Off!. Handwerk habe nicht nur eine berufliche Dimension, sondern erfordere auch emotionale, kreative und motorische Intelligenz. Es zeige so auf umfassende Weise, wie der Mensch lebt, denkt und fühlt und sei für den persönlichen Bildungs- und Lebensweg ein wichtiger Bereich, so Zierer.

In der Arbeit zusammenwachsen

Auch als Uni-Professor habe er davon profitiert. “Wenn es um Persönlichkeitsmerkmale geht wie Gewissenhaftigkeit, Sorgfältigkeit, Pünktlichkeit, Respekt und Wertschätzung gegenüber dem anderen Menschen oder dem Material, mit dem ich arbeite, das prägt einen.” Zierer zufolge würde es nicht schaden, wenn alle Lehrer und Lehrerinnen soiwe Schülerinnen und Schüler einen handwerklichen Hintergrund hätten. “Es reicht nicht aus, wenn die Gymnasiasten wunderbar lesen und schreiben können. Sie sollten auch einen Blick auf das Handwerk haben, weil es für die eigene Biographie ausgesprochen wichtig ist.”
Das Abitur bezeichnet der Erziehungswissenschaftler als nicht so wichtig für persönlichen Erfolg im Beruf. Circa 600 Milliarden Euro erwirtschafte das Handwerk pro Jahr, jeder dritte Ausbildungsplatz werde in der Branche angeboten. Handwerk sei eine wesentliche Säule für unseren Wohlstand und den Zusammenhalt in der Gesellschaft. “Die Menschen wachsen in der Arbeit zusammen. Das ist eine wesentliche Säule für unsere Gesellschaft”, so Zierer.

Gerhard Endres