
Bis 2028 soll der Wochenmarkt hier am Edinburghplatz bleiben. Am Angebot hat sich durch den Umzug nichts geändert. (Fotos: S. Wagner)
09.03.2026
Staunen am Willy-Brandt-Platz: „Ich war verwirrt, habe mich umgesehen und dachte schon, ich brauche einen anderen Plan für das Mittagessen“, erzählt Conor, der offenbar vom Umzug nichts mitbekommen hat. Und in der Tat macht der Willy-Brandt-Platz trotz des strahlenden Sonnenscheins einen seltsam verwaisten Eindruck, denn auch von der Baustelle ist bisher kaum etwas zu sehen. „Ich hatte schon fast gegoogelt, wo ist der Markt hin, und dachte, es kann doch nicht sein, dass er nicht stattfindet. Ich fände es gut, wenn man ein Schild aufstellen würde, damit die Leute wissen, was los ist.“
Ortswechsel: Edinburgh-Platz, ein paar hundert Meter weiter westlich. Heike verstaut gerade ihre Einkäufe, die sie zum ersten Mal am neuen Markt-Standort erworben hat, auf ihrem Fahrrad. Dank der Flyer, die im Vorfeld verteilt wurden, wusste sie Bescheid. Ja, sie hat sogar selbst welche bei sich im Haus ausgehängt, um die Nachbarn zu informieren. „Ich finde, das ist hier die optimale Lösung, wenn der Markt schon weg muss. Ich dachte erst, das wäre weiter hinten geplant, aber das finde ich jetzt wirklich ideal, denn so kriegen die auch die Laufkundschaft noch mit.“
In der Tat reihen sich die Marktstände nicht, wie in der Karte auf der Website von Märkte München eingezeichnet, in der Nord-Ost-Ecke des Edinburghplatzes, sondern direkt zwischen Bushaltestelle und U-Bahn-Eingang aneinander. Das sieht zwar nicht unbedingt besonders idyllisch aus, praktisch ist es aber allemal.

Auch die stellvertretende Marksprecherin, Gemüsehändlerin Rosi Kreilinger, zeigt sich zufrieden: „Ich möchte mich ausdrücklich ganz, ganz herzlich bei der Bevölkerung bedanken, denn es war wirklich toll, wie die Kunden uns unterstützt haben, damit wir zeitnah diesen Platz bekommen haben. Und danke auch an die öffentliche Hand, dass das alles reibungslos geklappt hat. Das hat man nicht immer. Kinderkrankheiten werden ausgesessen, das ist ganz klar, aber ich glaube, das läuft. Wir sind froh, dass wir einen Platz in Sichtweite des alten Platzes haben, da wir, weil es ja doch sehr kurzfristig war, nicht alle unsere Kunden informieren konnten. Wobei natürlich hier die Leute sehr gut vernetzt sind und auch sehr viel Informationen untereinander ausgetauscht haben.“
Nicht ganz so optimistisch ist man einen Stand weiter: Trotz des schönen Wetters seien weniger Kunden da als sonst, das müsse sich noch einpendeln. Aber es bleibe einem ja nun nichts übrig, als das so hinzunehmen. Julia, die gerade Obst und Gemüse einkauft, berichtet, ihr Mann habe fürchterlich geschimpft, als er ihr den neuen Standort auf der Karte gezeigt habe. Sie selbst findet aber die Lösung eigentlich doch ganz gut.

Auch Arslan Aysun vom “Oliven Paradies” sieht die Veränderung von der positiven Seite: „Es ist toll, dass wir einen Platz bekommen haben und nicht wegbleiben müssen. Lieber ein Platz als gar keinen Platz! Wir sind also sehr dankbar.“ Beim Aufbau am Morgen habe ebenfalls alles geklappt – aber er er ist auch als letzter gekommen. Allerdings ist Arslan der Meinung, die Stadt sollte ein bisschen mehr Werbung für den neuen Standort machen. Immerhin: Sein erster Kunde hat ihn an diesem Freitag ohne Probleme gefunden. So soll es nächste Woche weitergehen.
Sabine Wagner