Noch Baustelle, bald Ort der Begegnung: Stadtbereichsleiter München-Ost Eckardt und Pädagogische Leiterin Möller-Arnsberg in der neuen Volkshochschule Riem. Fotos: Hans Häuser

Flirten in der Volkshochschule?

27.03.2023

Fast eineinhalb Jahre später als geplant soll die neue Volkshochschule (VHS) in Riem starten. Take Off! hat den Stadtbereichsleiter Winfried Eckardt und die Pädagogische Leiterin Birgit Möller-Arnsberg am künftigen Ort des Geschehens gefragt, worauf sich die Messestädter freuen können. Und eine durchaus unerwartete Antwort bekommen.

Die neue Riemer Volkshochschule

Im Internet: mvhs.de/riem
Telefon-Infos zu allen Kursen:
089 4800 66 750
Tag der Offenen Tür:
Freitag, 7. Juni, 14 bis 20 Uhr, Paul-Wassermann-Str. 10

Einsendeschluss ist der 12. April

Die Münchner VHS betreibt stadtweit 30 Häuser und teilt sich auf in vier Stadtbereiche. Riem gehört zum Bereich Ost, der insgesamt aus sechs Standorten besteht. Der Bereich beginnt im Nordosten in Unterföhring und zieht sich runter bis Grünwald, weil es mit der Gemeinde seit langem einen Kooperationsvertrag gibt.

Im Moment ist hier noch Baustelle, aber bald werden Sie starten. Welche Vision haben Sie? Was soll die VHS hier sein?
Möller-Arnsberg: Ein Ort der Begegnung, offen für alle. Wir wollen auch Leute erreichen, die normalerweise vielleicht nicht zur Volkshochschule finden.
Eckardt: Das bedeutet natürlich auch, dass wir wohnort- und arbeitsplatznah sein wollen, eine VHS der kurzen Wege. Mit einem standortangepassten Angebot.

Mit welchem Programm starten Sie?
Möller-Arnsberg: Wir hatten ja schon in Trudering oder in der Kultur-Etage einige Kurse, die wandern jetzt alle an den neuen Standort. Ansonsten fangen wir mit einem Standardprogramm an und testen mal, wie die Leute reagieren. Es wird Gesundheitskurse geben wie Zumba, Pilates und Yoga. Wir haben auch Workshops am Wochenende und Vorträge, zum Beispiel über Impressionismus. Und wir haben auch spezielle Seniorenangebote. Einführung ins iPhone, Bauchtanz und Gruppentänze.
Eckardt: Wir wollen dann auch zunehmend in den Bereich Philosophie gehen und einige Formate wieder aufleben lassen, die wir schon im Vorlaufprogramm im Kopfbau hatten, wie Talk & Music. Wir planen auch eine enge Kooperation mit dem Gymnasium und der Realschule und anderen Einrichtungen im Viertel.
Möller-Arnsberg: Außerdem gibt’s noch Stadtviertelthemen. Das ist ein eigenes Programm, das den Stadtteil abbildet. Da war Riem bisher ein bisschen schwierig. Wir hatten eine Tour nach Salmdorf oder durch den Landschaftspark und haben im nächsten Programm das Hofbräuhaus und die Geothermie mal wieder drin. Wir wollen also auch hinter die Kulissen der Unternehmen hier schauen. Und im Rahmen der Stadtteilkulturwoche im Juni sind wieder Spaziergänge platziert.

In der Messestadt leben ja nicht nur Menschen, die sich für Kultur, Diskussionen und Philosophie interessieren. Was gibt’s für die?
Eckardt: Wir wollen zum Beispiel auch versuchen, stärker Menschen der zweiten und dritten Generation von Migrantinnen und Migranten Kenntnisse in ihren Herkunftssprachen anzubieten. Es gibt ja hier viele, die in beiden Sprachen nicht richtig zu Hause sind. Da wird daheim arabisch oder türkisch geredet, aber nicht unbedingt auf Schulbildungsniveau. Und sie gehen auf deutsche Schulen und lernen Deutsch, haben aber zuhause nicht genügend Sprachpraxis.

„Was zwischen den Kursen passiert… darauf haben wir keinen Einfluß“ geben Eckardt und Möller-Arnsberg lachend zu.

Was kostet der Spaß?
Eckardt: Wir verlangen je nach Kurs etwa 5 bis 10 Euro pro Doppelstunde. Aber es gibt viele Ermäßigungen. Wer den München-Pass hat oder zu weniger attraktiven Tageszeiten kommt, bekommt zum Beispiel 50 Prozent. Politische Bildung und zeithistorische Führungen sind kostenfrei.

Jetzt müsste es nur noch endlich losgehen. Wie ist der aktuelle Zeitplan?
Eckardt: Ganz ursprünglich hätten wir schon vor einem Jahr einziehen sollen. Dann ist das in den Herbst gerutscht. Und dann ist uns eröffnet worden, dass auch das nicht zu halten ist. Zum Frühjahrssemester im 1. März ist uns sehr verbindlich zugesagt worden. Aber ganz unlängst erfuhren wir, dass die Übergabe sich um voraussichtlich vier Wochen verzögern wird.

Also, wann soll es losgehen?
Eckardt: Wir gehen davon aus, dass wir nach den Osterferien am Montag, 8. April, starten werden. Seit Februar läuft die Anmeldung.

Und dann steigt gleich die große Einweihungsparty?
Eckardt: Wir planen erstmal ohne große Eröffnungsfestivität, sondern später mit einem Tag der Offenen Tür im Rahmen der Stadtteilwoche im Juni, mit Führungen im Haus und einem Konzert.

Hier gibt’s ein großes Foyer mit Sitzgelegenheiten. Darf man auch einfach ein bisschen verweilen und netzwerken?
Möller-Arnsberg: Was zwischen den Kursen passiert …
Eckardt: … darauf haben wir keinen Einfluss (lacht). Es hieß früher, die VHS sei der größte Kontakthof Münchens. Das hat sich vielleicht ein bisschen überholt, aber was ich wirklich super finde: Dadurch, dass wir so viele unterschiedliche Angebote machen, begegnen sich hier Menschen, die sich sonst nie begegnen würden.

Interview: Hans Häuser

Hinweis der Redaktion: Im gedruckten Heft kam es bedauerlicherweise zu einer Namensverwechslung. Wir behaupteten irrtümlicherweise, unser Interviewpartner sei Martin Ecker. So heißt jedoch der Geschäftsführer der Münchner Volkshochschule. Dies haben wir in diesem Text korrigiert – ebenso wie im PDF der Druckausgabe, das Sie hier finden.

*Wer war das?

Paul Wassermann war ein Münchner Chemiker und Unternehmer. Er erbte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Kerzen- und Seifenfabrik. Zudem war er Geschäftsführer der Münchner Fortbildungskurse für Arbeiter. Diese und andere Kurse wurden später in der Volkshochschule München zusammengefasst. Die VHS würdigt Wassermann deshalb als einen ihrer Mitbegründer und freut sich, dass die neue Riemer Dépendance ihren Sitz ausgerechnet an der Paul-Wassermann-Straße hat. Wassermann war Jude und wurde 1941 von den Nazis ermordet.

*Wer war das?

Paul Wassermann war ein Münchner Chemiker und Unternehmer. Er erbte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Kerzen- und Seifenfabrik. Zudem war er Geschäftsführer der Münchner Fortbildungskurse für Arbeiter. Diese und andere Kurse wurden später in der Volkshochschule München zusammengefasst. Die VHS würdigt Wassermann deshalb als einen ihrer Mitbegründer und freut sich, dass die neue Riemer Dépendance ihren Sitz ausgerechnet an der Paul-Wassermann-Straße hat. Wassermann war Jude und wurde 1941 von den Nazis ermordet.

Die neue Riemer Volkshochschule

Im Internet: mvhs.de/riem
Telefon-Infos zu allen Kursen:
089 4800 66 750
Tag der Offenen Tür:
Freitag, 7. Juni, 14 bis 20 Uhr, Paul-Wassermann-Str. 10

Die Münchner VHS betreibt stadtweit 30 Häuser und teilt sich auf in vier Stadtbereiche. Riem gehört zum Bereich Ost, der insgesamt aus sechs Standorten besteht. Der Bereich beginnt im Nordosten in Unterföhring und zieht sich runter bis Grünwald, weil es mit der Gemeinde seit langem einen Kooperationsvertrag gibt.