Angi und ihr Sohn Daniel beim Take Off!-Gespräch im indischen Restaurant „Raja-India“ in der Messestadt. (Foto: P. Zock)

Generationswechsel im TV Riem-Dornach

26.06.2026

Daniel Wimmer folgt als Vorstand seiner Mutter Angi nach. Was bleibt? Was kommt? Mit Take Off! trafen sich die beiden zum Essen und sprachen dabei über Verantwortung, Engagement und neue Wege für einen der größten Vereine der Messestadt.

Sie weiß eigentlich längst, was sie will. Und doch wandert Angi Wimmers Blick noch einmal über die Speisekarte, fast so, als würde sie die Gerichte kurz auf der Zunge schmecken wollen. Dann lächelt sie, entscheidet sich – wie so oft – aus dem Bauch heraus: „Für mich das Mango Chicken. Und Knoblauchbrot.“
Ihr Gegenüber schaut sie an, grinst, und ohne lange nachzudenken kommt die Antwort: „Ich nehme das Gleiche wie meine Mutter.“ Beide lachen. Ein kurzer, heiterer Moment – und gleichzeitig einer, der viel erzählt über das, was Mutter und Sohn verbindet.
Wir treffen Angi und ihren 24-jährigen Sohn Daniel im indischen Restaurant in der Messestadt. Dabei ist Angis Lieblingsessen eigentlich ein ganz anderes – Spaghetti Bolognese. Aber Mango Chicken geht trotzdem immer. Bitte nur nicht zu scharf.

Eine Institution im Verein

Angi Wimmer ist seit über 20 Jahren Übungsleiterin im TV Riem-Dornach. 16 Jahre lang hat sie ihn als Vorstand geprägt, gestaltet, zusammengehalten. Eine Institution im Verein, die praktisch jeder kennt. Viele Kinder haben in ihren Turnstunden die ersten Sprünge gewagt, sind balanciert, gefallen, wieder aufgestanden – während ihre Eltern daneben standen, oft auf Socken und mit einem Lächeln zwischen Ehrgeiz und Verlegenheit. 

Für Angi ist das Kinderturnen bis heute Herzenssache. „Ich liebe es noch genauso wie am ersten Tag“, sagt sie. „Ich organisiere einfach gern und ich mag Gemeinschaft.“ Angi nimmt einen Schluck Wasser. „Als Übungsleiterin kann ich beides verbinden.“ Dann wird sie nachdenklicher. Sport sei für sie mehr als nur Bewegung. „Meine Eltern sind beide an Krebs gestorben. Das macht mir Angst. Aber es gibt Studien, die zeigen, dass Sport das Risiko senken kann. Das motiviert mich enorm.“ Sie beschäftigt sich intensiv mit gesunder Ernährung, hört Podcasts – und hat vor allem im Kraftsport ihre Leidenschaft gefunden.

2005 trat Angi in den Turnverein Riem-Dornach ein, 2008 leitet sie ihre erste Turngruppe mit Eltern und Kindern. Da war auch bald der kleine Daniel dabei. Jetzt zurückblickend war das für beide, Mutter und Sohn, nicht immer einfach. Angi musste auf die Gruppe und auf ihren „bockigen“ Sohn achten. „Das war richtig schwierig. Die Gruppe anleiten und den eigenen trotzigen Sohn nicht aus den Augen lassen. Das war oft nicht sehr harmonisch.“

Und wie hat Daniel das in Erinnerung? „Am Anfang nicht so toll. Ich war als Kind immer gern in meiner Komfortzone. Erst als ich etwas älter war und ich meine Mutter als Assistent in ihrer Gruppe unterstützen durfte, habe ich gemerkt, dass mir das Organisieren auch viel Spaß macht. Genau wie meiner Mutter. Da sind wir uns total ähnlich. Und dann ging das schnell weiter. C-Lizenz gemacht, eigene Gruppen übernommen, mehr und mehr Aufgaben im Verein bekommen, und dann in den Vorstand gewählt und dort quasi meine Mutter abgelöst.“

Die Erwartungen von außen sind gestiegen

Es ist kein Generationswechsel mit Kante, eher ein vertrautes Weitergeben. Daniel ist strukturierter, technik-affiner – und doch in vielem seiner Mutter ähnlich. Ein Übergang, der sich für beide gut anfühlt. Was macht er als Vorstand anders als seine Mutter? Daniel überlegt nicht lange. „Unser Ziel ist, die Abläufe moderner und effizienter zu gestalten. Bessere Kommunikation, digitale Tools, schlankere Prozesse. Alle arbeiten bei uns ehrenamtlich nebenbei, aber die Erwartungen von außen sind gestiegen. Die Menschen wollen schnelle Antworten und klare Abläufe. Daran arbeiten wir – Schritt für Schritt.“

In diesem Moment wird das Essen gebracht. Der Duft von Gewürzen füllt den Tisch, warmes Knoblauchbrot wird aufgerissen, es wird probiert, kurz geschwiegen. Ein Blick, Lächeln, ein Nicken – passt. Es sind diese kleinen, stillen Übereinstimmungen der beiden, die fast mehr sagen als Worte. Und es gibt Dinge, die der andere beim Gegenüber bewundert.

„Ich hätte gern Daniels Energie“, sagt Angi ohne zu zögern. „Sein technisches Verständnis, seinen Antrieb. Er arbeitet, studiert, engagiert sich im Verein – und verliert trotzdem nie den Blick für die Familie.“ Eine kurze Pause. „Ich bin wirklich stolz auf ihn.“

Daniel braucht länger für seine Antwort.
„Ich wäre manchmal gern ruhiger“, sagt er schließlich. „Geduldiger. Meine Mutter kann Dinge gelassener sehen. Das fehlt mir manchmal.“ Dann kommt noch etwas anderes. „Und ich beneide sie um ihre zweite Sprache. Meine Oma kam aus Tschechien, und ich habe das nie gelernt. Die Kultur, das Essen, die tschechische Familie – das ist mir alles sehr nah. Aber ich kann mich nicht auf Tschechisch ausdrücken. Das fehlt mir.“

Ein kurzer Moment der Stille. Dann wird wieder gelacht, weitergegessen, weitererzählt. Zwei Generationen, die viel verbindet – nicht nur die Liebe zum Mango Chicken.

Peter Zock