Erst Baustelle, dann Bänke und Blumenmeer: Der künftige Oberbürgermeister hofft auf mehr Aufenthaltsqualität am Willy-Brandt-Platz. (Fotos: R. Miesbach)

Neuer Oberbürgermeister Dominik Krause: „Willy-Brandt-Platz ist eines der Aushängeschilder Münchens!“

12.03.2026

Baubeginn für das 18-Millionen-Euro-Projekt in der Messestadt: Der frisch gewählte OB von den Grünen schaufelt symbolisch ein bisschen Erde über den Willy-Brandt-Platz, der in den kommenden zweieinhalb Jahren umgebaut wird. Anschließend sagt er im Take Off!-Interview, was er sich von der Umgestaltung verspricht und wie er unser Viertel insgesamt einschätzt.

100 neue Bäume sollen am Willy-Brandt-Platz gepflanzt werden, dazu eine Wildblumenwiese, Möglichkeiten für Urban Gardening, ein Springbrunnen und viele Orte zum Abhängen und Wohlfühlen. Am Freitag (27.3.) hat die Stadt die Bauarbeiten offiziell gestartet. Ende 2028 sollen sie fertig sein. (Alle Infos zu den Umbauten finden Sie hier)
Die Chefin des Baureferats, Jeanne-Marie Ehbauer von den Grünen, stellt vor allem die Bedeutung des Umbaus für den Klimaschutz in den Mittelpunkt und freute sich über 40 Prozent Baukostenzuschuss von Freistaat und Bund. Take Off! hat mit dem künftigen Oberbürgermeister Dominik Krause weitere Apspekte besprochen.

Symbolischer Spatenstich für die Umgestaltung des Willy-Brandt-Platzes: Grünen-Lokalpolitiker Herbert Danner, Baureferats-Chefin Jeanne-Marie Ehbauer, Bald-OB Dominik Krause, Bezirksausschuss-Vorsitzender Stefan Ziegler, Oberbayerns Vize-Regierungspräsidentin Friederike Fuchs
Symbolischer Spatenstich für die Umgestaltung des Willy-Brandt-Platzes: Grünen-Lokalpolitiker Herbert Danner, Baureferats-Chefin Jeanne-Marie Ehbauer, Bald-OB Dominik Krause, Bezirksausschuss-Vorsitzender Stefan Ziegler, Oberbayerns Vize-Regierungspräsidentin Friederike Fuchs

 

Take Off!: Wie wichtig ist Ihnen die Umgestaltung des Willy-Brandt-Platzes?
Das ist jetzt auch im Wahlkampf schon ein zentrales Thema gewesen, Aufenthaltsqualität und mehr Grün in der Stadt. Das treibt schon viele Menschen um. Gestern war ich am Arnulfpark, da haben wir neue Bäume gepflanzt, also überall gibt es Begeisterung, wenn man sowas macht. Das ist natürlich eine schöne Tätigkeit als Bürgermeister.

Welche Bedeutung hat der Willy-Brandt-Platz für München?

Das ist natürlich ein wichtiger Platz, für die Anwohnerinnen und Anwohner, aber auch weil die ganzen Messebesucher auch hier unterwegs sind und da einen Eindruck von München bekommen. Deswegen finde ich, ist der Willy-Brandt-Platz schon eines der Aushängeschilder, was die Besucher von München dann zu sehen bekommen.

Es gab auch Kritik, weil es so lange gedauert hat, bis die Umgestaltung jetzt startet, dass sie so viel kostet und dass es jetzt wieder so lange dauert, bis sie fertig ist. Sind das Dinge, die sie in Zukunft vielleicht besser machen würden, wenn Sie demnächst wirklich Oberbürgermeister sind?
Also, es wird immer Diskussionen geben, wie man so einen Platz gestaltet. Das liegt in der Natur der Sache, wenn unterschiedliche demokratische Fraktionen darüber ringen. Ich finde, das ist aber jetzt nichts Schlechtes, dafür gibt es diese Gremien ja, und wenn am Ende was Gutes dabei rauskommt, dann hat sich ja auch jede Diskussion gelohnt. Dass wir dabei ein bisschen schneller werden könnten, das würde ich auch unterschreiben. Und da werden wir uns jetzt weiter Mühe geben.

Willy-Brandt-Platz: Künftig ein Münchner Stadtteilzentrum?

Wir haben in der Messestadt einen Nachbarschaftstreff, “Heinrich trifft Böll” heißt er. Der wird jetzt geschlossen, zieht nach Freiham. Er kostet die Stadt knapp 130.000 Euro im Jahr. Viele sagen, jetzt werden hier 18 Millionen für den Platz bezahlt – wäre da nicht noch so ein Nachbarschaftstreff drin gewesen, gerade weil das Viertel hier in Teilen durchaus prekär und divers ist.
Ich muss zugeben, mit dem Nachbarschaftstreff bin ich nicht im Bilde. Aber im Grundsatz, dass das so gegeneinander gerechnet wird, entspricht nicht ganz der Realität von unserem städtischen Haushalt, wo wir einen laufenden Verwaltungshaushalt und einen Investitionshaushalt haben. Und das sind ja Investitionen hier, die wir tätigen, wo wir uns zum Beispiel auch verschulden können als Stadt. Im laufenden Verwaltungshaushalt können wir das nicht. Deswegen kann man das eine nicht mit dem anderen aufrechnen. Aber dass es eine gute Versorgung geben muss mit Nachbarschaftstreffs und so weiter, dem würde ich zustimmen.

Take Off!-Interview: Dominik Krause beantwortet auf dem Willy-Brandt-Platz Fragen von Hans Häuser.
Take Off!-Interview: Dominik Krause beantwortet auf dem Willy-Brandt-Platz Fragen von Hans Häuser.

 

Sie sind in Untermenzing aufgewachsen, ganz im Westen Münchens, weit weg von der Messestadt. Wie oft waren Sie schon hier und was ist Ihr Eindruck vom Viertel?
Die Messestadt hat immer wieder negative Schlagzeilen gemacht, unter anderem wegen Problemjugendlichen, deswegen war ich auch einmal hier. Und natürlich muss es dann eine gute soziale Versorgung geben. Den Eindruck, den ich aber hier hatte – ich habe da so einen Rundgang gemacht, wo wir verschiedene Einrichtungen besucht haben – ist, dass es schon auch wirklich viele tolle Akteure vor Ort gibt, die da auch wichtige, gute Arbeit machen.

Es gibt andere Viertel, die oft mit der Messestadt in einem Atemzug genannt werden: Freiham, Hasenbergl und Neuperlach. Neubauviertel ohne gewachsene Bewohnerschaft mit besonderen Bedarfen. Wenn Sie auf die nächsten sechs Jahre schauen, die Sie Oberbürgermeister sein werden: Gibt es Projekte, die Sie für diese Viertel auf den Weg bringen möchten?
Das werden wir im Rahmen der Koalitionsverhandlungen, die demnächst starten, klären. Die Stadt wächst ja immer weiter, aber die Stadtgrenzen sind fix, und das heißt, dass die äußeren Stadtbezirke eine andere Rolle spielen werden müssen. Das kann auch was Gutes sein – im Sinne, dass es vielleicht weniger Innenstadtzentriertheit gibt als bisher und dass es auch in den äußeren Stadtbezirken Zentren gibt.
Das sind Entwicklungen, die man in vielen Großstädten sieht, dass es ab einem bestimmten Punkt mehr Dezentralisierung geben muss. Wenn wir jetzt den Willy-Brandt-Platz umgestalten, sodass er auch wirklich zu einem Treffpunkt wird und auch eine Anziehungskraft entwickelt, dann finde ich, ist das ein Teil davon.

Interview: Hans Häuser