Am südlichen Rand des Riemer Parks liegt das geplante Neubaugebiet Am Rappenweg – blau hinterlegt. (Hintergrundkarte: © Bayerische Vermessungsverwaltung (2025)
Datenquelle: Geoportal Bayern www.geoportal.bayern.de)

Geplantes Wohngebiet am Riemer Park spaltet den Bezirksausschuss

15.09.2025

Neue Nachbarn für die Messestadt München: Am südlichen Rand des Riemer Parks soll das bisherige wilde Gewerbegebiet Am Rappenweg umgestaltet werden. Geplant sind Wohnungen für bis zu 7.000 Menschen und Gebäude mit acht Stockwerken, außerdem ein Hochhaus. Der Bezirksausschuss wurde von Stadt und Investoren über die Planungen informiert, konnte sich aber nicht auf eine Stellungnahme einigen. Take Off! wollte vom Bezirksausschussvorsitzenden Stefan Ziegler wissen: Wieso nicht?

Bezirksausschuss-Vorsitzender Stefan Ziegler (CSU)
Bezirksausschuss-Vorsitzender Stefan Ziegler (CSU)

Das Gebiet „Rappenweg“ wird ja schon länger diskutiert. Warum wurde plötzlich eine Sondersitzung des Bezirksausschusses notwendig ?
Das Planungsreferat beabsichtigt, den Eckdatenbeschluss schon diesen Mittwoch im Planungsausschuss und am 1. Oktober in der Vollversammlung des Stadtrats zur Beschlussfassung vorzulegen. Sonst kann der moderierte Wettbewerb nicht bis zum Ende der aktuellen Wahlperiode abgeschlossen werden und somit frühestens im Sommer 2026. Das wäre nach der Kommunalwahl und würde eine zusätzliche Verzögerung der Planungen um ein Jahr bedeuten.

Die Büschl-Gruppe tritt als Sprecher der Investoren auf und hat ein Konzept für die „Gute Uta“ vorgelegt, wie das Viertel künftig heißen soll –benannt nach einer Sagen umwobenen Frau aus dem Mittelalter, die in der Gegend gelebt haben soll. Überzeugt Sie das Konzept?
„Überzeugt“ wäre mit Sicherheit zu weit gegriffen. Persönlich halte ich (fast) alles, was hier geplant wird, für besser als das, was wir aktuell am Rappenweg haben.
Das Planungsreferat und die Eigentümergemeinschaft haben sich offensichtlich viel Mühe gegeben, das mit vielen Herausforderungen belegte Gebiet zu einem Planungsgebiet mit vielen positiven Ideen zu entwickeln. Der Eckdatenbeschluss stellt eine Grundlage dar, auf der man aufbauen und ein qualitativ hochwertiges Gebiet entwickeln kann.

Im Bezirksausschuss (BA) gab es aber offensichtlich unterschiedliche Meinungen zu dem Konzept. Was waren die hauptsächlichen Kritikpunkte?
Einig waren sich die in der Sondersitzung anwesenden BA-Mitglieder, dass die Dichte, die der Eckdatenbeschluss zulassen würde, zu hoch ist. Eine Geschoßflächenzahl von 3,0 bedeutet, dass die geplante Geschoßfläche 3x so hoch wie die Grundstücksfläche wäre. Der Eckdatenbeschluss sieht – abgesehen von einem Hochpunkt – als Maximum eine 8-geschoßige breite Riegelbebauung vor, deren Auflockerung einmütig gefordert wurde.
Darüber hinaus gab es sehr unterschiedliche Sichtweisen auf die vorgelegten Eckdaten, die dazu führten, dass man sich im Ergebnis auf keine mehrheitsfähige Stellungnahme des BA einigen konnte.

Stadtteilpolitiker finden keinen Kompromiss

Wenn ich es richtig verstanden habe, hat der BA keine gemeinsame Stellungnahme
verabschiedet. Waren die Gegensätze so unüberbrückbar?
GRÜNE, ÖDP und LINKE wollten den Eckdatenbeschluss als Ganzes ablehnen, weil sie keine geeignete Planungsgrundlage „für diesen besonderen Ort am Rande des Riemer Parks“ erkennen konnten.
CSU und SPD hatten beantragt, der Beschlussvorlage grundsätzlich zuzustimmen und dem Planungsreferat und den Eigentümern Hausaufgaben mit auf den Weg zu geben, die für die weiteren Planungen und die Qualität des späteren Wohn- und Gewerbegebiets für wichtig erachtet wurden.
Aus einer generellen Ablehnung und einer Zustimmung mit Hausaufgaben ist es schwierig, einen Kompromiss zu finden.

Was ist die Konsequenz?
Die Konsequenz ist, dass selbst Positionen, bei denen wir uns aus örtlicher Sicht einig gewesen wären, nicht für die Entscheidungsfindung des Stadtrats vorgetragen werden können; der BA gibt keine Stellungnahme zum Beschlussentwurf ab.
Selbstverständlich haben aber vermutlich alle Fraktionen ihre Positionen an die Stadtratsfraktionen weitergegeben. Jetzt muss der Stadtrat entscheiden, und es müssen dort Mehrheiten für oder gegen den aktuellen Vorschlag von Planungsreferat und Eigentümern gefunden werden.
Zustimmung im Stadtrat wahrscheinlich

Das bedeutet aber, dass der Stadtrat ohne Stellungnahme des BA entscheiden kann. Ist das den Gegnern des bisherigen Entwurfs bewusst gewesen?
Ich hatte nicht den Eindruck, dass den anwesenden BA-Mitgliedern die Konsequenz der erfolgten Abstimmungen bewusst war. Aufgrund der unversöhnlichen Positionen in der geführten Debatte, sah ich aber keine Möglichkeit, doch noch zu einem mehrheitsfähigen Ergebnis zu kommen.

Wie geht es jetzt weiter?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Stadtrat mehrheitlich gegen den Bau dringend notwendiger Wohnungen entscheidet. Dieses Planungsgebiet ist nicht geeignet, blühende Wiesen und Einfamilienhäuser mit großen Gärten anzusiedeln. Direkt am Riemer Park besteht unter den im CSU/SPD-Antrag genannten Voraussetzungen aber die Chance, auch mit größerer Dichte qualitativ hochwertigen Wohnraum zu schaffen.

Interview: Gerhard Endres