
Die Bundeswehr beim Aufbau ihrer 70-Jahre-Jubiläumsfeier auf dem Willy-Brandt-Platz.(Foto: L.K. Srndic)
17.11.2025
Kritiker der Veranstaltung auf dem Willy-Brandt-Platz hatten zu einer Demonstration aufgerufen. „Keine Panzer und Tornados im Herzen der Messestadt“ war etwa auf einem Plakat zu lesen. Das hat Widerspruch bei einer Take Off!-Leserin ausgelöst. Lesen Sie ihre Begründung im Wortlaut.
Ich wohne seit 18 Jahren in der Messestadt und ich liebe unser Viertel. Ich mag es, wie tolerant wir Messestädter sind. Wir selbst und unsere Nachbarn kommen aus der ganzen Welt und haben uns in den interessantesten Kombinationen zusammengefunden, um eine Familie zu gründen. Wir ertragen es mit Gleichmut, wenn unsere Straßen bei Großveranstaltungen wie der Bauma oder den Adele-Konzerten geflutet werden und wir deswegen mit einiger Zeitverzögerung nach Hause kommen.
Und wo andere bei neuen Flüchtlingsheimen auf die Barikaden gehen, verschmelzen neue MitbürgerInnen einfach mit unserem Viertel ohne Aufregung. Und deshalb war ich wirklich peinlich berührt von der „Friedensdemo“ zum Anlass der Präsentation der Bundeswehr vor den RiemArcaden. Ich habe nicht alles gehört, was die Sprecherin sagte, aber weil sie damit anfing, dass die AnwohnerInnen etwas gegen die Präsenz der Bundeswehr in ihrem Viertel haben könnten, ist es mir ein Bedürfnis zu sagen: Ich hatte absolut nichts dagegen.
Ich fand eher die Demo peinlich, weil ich sie so aus der Zeit gefallen fand. Aber es war mir vor allem peinlich, weil die Messestadt in meinen Augen ein so toleranter Ort ist, der jeden und jede willkommen heißt. Und das soll nicht für die Männer und Frauen gelten, die einen Eid darauf geleistet haben, dieses Land, das Grundgesetz und seine Werte sogar mit ihrem eigenen Leben zu verteidigen?
Ich weiß, das klingt pathetisch und vielleicht sogar abgedroschen. Deshalb formuliere ich es so: Wer von uns würde einen Job machen, bei dem er / sie vor Arbeitsbeginn erstmal ein Testament verfassen sollte? Denn das macht jeder Soldat / jede Soldatin, ob Koch, ob Sanitäterin oder Fallschirmjäger, bevor sie in einen Einsatz gehen (der ihnen im Übrigen durch die demokratisch gewählten Volksvertreter aufgetragen wird).
Ich wäre nicht bereit dieses Risiko für meinen Beruf einzugehen. Und deshalb finde ich, es wäre einfach ein Mindestmaß an Respekt gegenüber den Soldaten und Soldatinnen gewesen, sie vor solchen Aussagen, sie seien nicht erwünscht zu verschonen.
Warum haben diejeningen, die da demonstrierten, nicht mal die Gelegenheit genutzt, um sich mit diesen Menschen zu unterhalten? Sie wären vielleicht überrascht gewesen. Für mich fängt Frieden genau da an: auf jemanden zugehen, der einem fremd ist und den man nicht versteht und einfach mal zuhören. Auch wenn es einem nicht leicht fällt und wenn einem der Andere vielleicht sogar Angst macht.
Frauke Demuth
Einige Messestädter fragen sich: Musste die Stadt das Bundeswehr-Event am Willy-Brandt-Platz genehmigen?
Die Antwort lesen Sie hier.
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